Nach Neun im Leipziger Urwald

Amazonien im Asisi-Panometer hautnah erleben

Eingang zu Asisis Amazonien - Gundula Klaemt
Eingang zu Asisis Amazonien - Gundula Klaemt
Umringt sein von Baumriesen, wilden Tieren und Ureinwohnern in nächtliches Blau getaucht - ein Gewitter, die geräuschvolle Ankündigung des neuen Morgens, der Tagesgang...

„Nach Neun im Urwald“ kann auch in Leipzig die nächste Verabredung sein, denn der Künstler Yadegar Asisi brachte umweltschonend ein Stück Amazonien im Maßstab 1:1 hierher. Ein lange ausgedientes Gasometer in der Richard-Lehmann-Straße 114 bekam dazu eine neue Funktion. Die runde Industrieruine bietet heute die Kulisse für ein atemberaubendes 360°-Panorama um die Betrachter herum.

Fotorealistische Darstellung + Lichteffekte + Tierkonzerte

Eine fast authentische Illusion ist dem Künstler mit seinem Panoramabild „Amazonien“ gelungen. Abgestimmt mit aufwendigen Licht- und Sound-Effekten wird der auf Stoffwänden abgebildete Regenwald des Amazonas-Tieflandes quasi zum Leben erweckt. Für das Gefühl mitten im tropischen Regenwald zu sein, wurde eine sechs Meter hohe Aussichtsplattform im Zentrum des „Panometers“ aufgestellt. „Panometer“ wird das umfunktionierte Panorama-Gasometer nun genannt.

Nie da gewesene Ausstellung zur Einführung

Zuvor wird der Weg vom Eingang bis zum eigentlichen Rundgemälde von einer Ausstellung begleitet, die ihresgleichen sucht. Nachhaltig in Erinnerung bleiben können die lebensgroße Darstellung eines 25-Meter-Baumriesen, meterhohe Tafeln mit Schmetterlings-Exponaten, auf dem Boden die videoanimierte Schau einer emsigen Ameisen-Spedition mit Blättern und Zweigen im Gepäck als auch das überdimensionale Modell einer tropischen Stechmücke, die gefährliche Tropenkrankheiten übertragen kann.

Rundbild-Schau ohne Warten

Je nach dem zu welchem Zeitpunkt in das Panometer über einen verdunkelten Eingang eingetreten wird, zieht einen das Geschehen in seinen Bann. Der Ablauf eines Tages und einer Nacht wird fortlaufend ohne Unterbrechung inszeniert. Geblieben werden kann so lange, wie gewollt wird. Selbst beim dritten Durchlauf entdeckt der Betrachter wieder Neues. Angebracht ist ein Fern- oder Opernglas, ohne das feine Details im Dickicht des amazonischen Regenwaldes verborgen bleiben.

Alexander von Humboldt gewidmetes "Amazonien"

Amazonien wieder verlassend, schließt ein Film über die Entstehung des Regenwald-Panoramas den Besuch ab. Hier ist zu erfahren, dass schon der Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt meinte, je größer die Dimensionen der Darstellung seien, umso besser wären die Zusammenhänge in der Natur zu erkennen und zu verstehen. Dem Naturforscher widmete Asisi sein "Amazonien" anlässlich dessen 150. Todesjahres.

Aufwendige Produktion

Weiterhin wird in dem Film über Expeditionen ins Amazonas-Gebiet mit 25.000 Fotos und unzähligen Skizzen berichtet. In Sisyphusarbeit wurden die Teile zu einem Ganzen zusammengesetzt, auf Stoff gedruckt und nahezu unsichtbar vernäht, nachdem anfänglich unsaubere Nähte auf Geheiß des Berliner Künstlers wieder aufgetrennt werden mussten.

Antrieb zum Amazonien-Projekt

Neben seiner Liebe zur Natur motivierte Yadegar Asisi zu diesem Werk vor allem die Besorgnis um den Regenwald wegen der Bedrohung durch Abholzung, Zersiedlung und Übernutzung. Daher unterstützen unter anderem der WWF und die Zeitschrift GEO sowie das Sächsische Staatsministerium für Landwirtschaft und Umwelt das Amazonien-Panoramaprojekt.

Asisi-Panoramaprojekte

Das seit 28. März 2009 gezeigte 360°-Panoramaprojekt Asisis ist nicht das Erste seiner Art. Amazonien weichen musste das Rundbild „Rom 312“ mit Blick auf das Rom der Antike, eingefangenen in dem Augenblick als Kaiser Constantin die eroberte Stadt am 27. Oktober 312 einnahm. „Rom 312“ war vier Jahre lang, seit dem Jahr 2005 zu sehen. Diese Bildschau wiederum folgte dem Panorama der Bergwelt des Himalaya in dem Pilotprojekt „8848 Everest 360°“, das von 2003 bis 2005 gezeigt wurde. Parallel zu „Amazonien“ ist gegenwärtig eine Zeitreise durch das Panoramaprojekt „1756 Dresden“ im Asisi-Panometer Dresden in der Gasanstaltstraße 8b möglich.

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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